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USA, California

Als Liron und ich uns nach so langer Zeit im Motel in der Nähe vom Flughafen in L.A. wieder sahen war die Freude riesengroß. Wir hatten uns ja seit letztem Jahr in Australien nicht mehr gesehen. Wir wussten gar nicht über was wir zuerst reden sollten. Da es schon super spät war, beschlossen wir dann irgendwann einfach zu schlafen, immerhin hatten wir nun drei Wochen Zeit über alles zu sprechen. 

Am nächsten Morgen holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren sofort los. Unser eigentliches Ziel war der Death Valley Nationalpark, aber wir nahmen unterwegs versehentlich die falsche Ausfahrt und waren somit in Richtung Sacramento/San Francisco unterwegs. Deshalb ändern wir einfach unseren Plan und peilten den Yosemite Nationalpark an. Ich kann gar nicht sagen wie froh ich darüber bin, dass wir uns verfahren haben, denn Yosemite war einfach atemberaubend schön. Bevor wir dort ankamen gab es allerdings noch einen kleinen Eklat im Wallmart. Liron hätte meiner Meinung nach am liebsten den halben Supermarkt leer gekauft und ich fand das erstens die totale Verschwendung, da wir das meiste ja wieder entsorgen hätten müssen, und zweitens wollte ich natürlich nicht mein ganzes Geld für Schrott ausgeben, den man auf dem Burning Man sowieso nicht braucht. Ein Wort gab das andere und schon schrien wir uns an, so dass ich echt erwägte alleine zum Burning Man zu fahren. Sie ging mir echt sowas von auf die Nerven und ich ihr genauso. Wir fuhren dann einfach weiter Richtung Yosemite und redeten kein einziges Wort mehr miteinander. Irgendwann schlief Lyon ein, weil sie Migräne bekommen hatte. Ich muss sagen da war ich schon nicht mehr so sauer, weil sie mir echt leid tat. Im Auto Migräne zu haben ist wohl das unangenehmste überhaupt. Liron verpasste also die wunderschöne Landschaft, als ich in den Nationalparks hineinfuhr und aus dem Staunen gar nicht mehr rauskam. So riesige und beeindruckende Bäume habe ich noch nie zuvor gesehen. Die Straße auf der ich fuhr schlängelte sich kurvenreich durch den Wald. Normalerweise kann ich solche Straßen ja nicht so leiden, aber hier genoss ich jede Minute der Fahrt. Und plötzlich tauchte zwischen den Bäumen eine Aussichtsplattform auf und ich erblickte den wohl schönsten Sonnenuntergang meines gesamten Lebens. Ich wär fast vor meiner Spur abgekommen. Einfach nur wunderschön!!! Da es Liron immer schlechter ging und ich und unser Zelt nicht im Dunkeln aufbauen wollte, konnte ich leider nicht anhalten und den Moment genießen. Der dritte Campingplatz, den ich anfuhr hatte dann endlich Platz für uns und ich baute das Zelt so schnell es ging im mittlerweile finsteren Wald auf, damit sie sich sofort hinlegen konnte. Am nächsten Morgen war wieder alles gut zwischen uns und wir haben nie wieder über den bekloppten Streit gesprochen… 

Nach dem Frühstück gingen wir gleich mal auf unsere erste Wanderung und nahmen auch unsere Nachbarn mit, ein nettes, junges Paar aus Florida, das aber in die Kategorie “bekloppte Amerikaner” passte. (Hallo, wer kennt denn als Amerikaner den Yosemite Nationalpark nicht??? Die zwei hatten sich, wie wir, einfach nur verfahren, aber tatsächlich noch nie zuvor vom Yosemite gehört.) Die Wanderung bot uns eine wunderschöne Aussicht auf das Yosemite Valley und den Half Dome von oben. Wir sahen dort auch zwei Jungs, die gerade eine Highline über eine Schlucht gespannt hatten. Da bekam ich nur beim zusehen schwitzige Hände, so tief wie ist da runter ging. 

Kann man mal machen 


Leider der einzige Fels, den ich im Yosemite hochgeklettert bin :(

Auf dem Rückweg zum Campingplatz sammelten wir alle vier Holz am Straßenrand, um abends jeweils ein Lagerfeuer machen zu können. Da unser Kofferraum voll mit Sachen war musste jeder von uns Holz auf den Schoß nehmen. Das Auto war bis unters Dach voll mit Feuerholz und war anschließend so dreckig, dass wir nur froh waren, dass es ein Mietauto war. Aber so hatten wir es zum Abendessen wenigstens schön warm am Lagerfeuer. Im Yosemite wird es nämlich schon am frühen Abend bitterkalt. Abends schauten wir dann noch mal an der Aussichtsplattform den Sonnenuntergang an, aber es war bei weitem nicht so schön wie am Abend davor. Für manche Sachen gibt es wohl einfach keine zweiten Chancen… 

Trotzdem ein schöner Sonnenuntergang 

Unser zweiter Tag in Yosemite fing schon mal großartig an, als uns ein Bär zum Frühstück besuchte. Der noch jung wirkende Schwarzbär schien sich wohl verlaufen zu haben. Und was machten Liron und ich? Anstatt uns groß zu machen, mit den Armen zu wedeln und Lärm zu verursachen liefen wir auf den Bären zu, weil wir uns so freuten 😀 Der Nachbar aus Florida hingegen sprang verschreckt auf sein Auto. Ich werde seinen Gesichtsausdruck nie vergessen-einfach großartig!!! 😀 

Nach dem Frühstück fuhren wir ins Yosemite Valley, was super beeindruckend war. Die Touristenmassen waren aber eher abschreckend. Wir beschlossen daher nicht dort zu bleiben, mal ganz abgesehen davon, dass alle Campingplätze ausgebucht waren. Wir nahmen noch kurz ein Bad im eiskalten Fluss – nach zwei Tagen war das dann doch mal wieder nötig 😉 und belustigten damit diverse Touristen, weil wir so laut rumschrien 😀 Anschließend fuhren wir erfrischt und wohl riechend weiter zum Lake Tenaya, der durch den Tuolumne-Gletscher gebildet wurde und aufgrund der hohen Lage auch entsprechend kalt ist. Wir wollten’s aber echt wissen und sprangen gleich nochmal ins eiskalte Nass 😀 Im See liegen an manchen Stellen riesige Steine im Wasser, weshalb man auch relativ weit draußen noch knöcheltief im Wasser stehen kann, was von weitem echt lustig aussieht… 


Selbstauslöser Quatsch am Straßenrand :) 


Lake Tenaya

Wir campten dann in der Nähe vom See wo es nachts leider noch kälter war. Als wir morgens aufwachten froren wir so sehr, dass wir innerhalb von 10 Minuten alles zusammenpackten, ins Auto sprangen, die Heizung einschalteten und losfuhren. Im Schlafsack frieren ist echt übel… 

Leider hatten wir nicht sehr viel Zeit für den Yosemite, aber ich weiß schon jetzt, dass ich wieder kommen werde und das nächste mal hab ich einen guten Schlafsack und meine Klettersachen dann dabei :)

Wir mussten dann erst mal 2 Stunden fahren bevor wir eine Fastfoodkette fanden und dort vor der Tür das WLAN benutzen konnten, um unsere Mütter zu informieren, dass es uns gut geht. Wir hatten nämlich voll vergessen Bescheid zu geben, dass wir wohl ein paar Tage kein Internet haben werden. Und sie waren auch beide schon echt besorgt-manche Dinge ändern sich auch mit 32 nicht 😉 

Wir fuhren dann weiter nach Orangevale, das ist eine ziemlich fade typisch-amerikanische Kleinstadt, in der Nähe von Sacramento, und eigentlich wollten wir nur kurz eine Freundin von Liron aus Israel besuchen, die mittlerweile dort mit ihren Eltern und ihren Geschwistern lebt. Aber als wir dort ankamen hatten sie schon ein Bett für uns hergerichtet und stopften uns gleich mal mit Essen voll. Später schwammen wir noch eine Runde in ihrem Pool weil es so heiß dort war und die drei Nächte im eiskalten Zelt waren fast vergessen 😉 Wir blieben dann drei Nächte bei den Coxes und organisierten alles für das Burning Man von Orangevale aus. Und das war echt ein Fulltime-Job. Wir mussten Fahrräder, eine Matratze, Kissen, Decken, Essen, unendlich viel Wasser und jede Menge Kleinkram besorgen. Das meiste kauften wir auf Craigslist (so etwas wie eBay Kleinanzeigen) und im Secondhand-Store. Und wir hatten unendliches Glück, da die Coxes uns unglaublich viele Sachen liehen, wie: Sonnensegel, zweite Kühlbox, Stühle mit Tisch, Regal für den Van usw. Wir waren echt spitzenmäßig ausgestattet, als wir abreisten. Und es war echt so nett, wie sich die gesamte Familie für uns mitgefreut hat, fast als wenn sie selber aufs Festival gefahren wären :)Ich bin echt froh, dass ich diese tolle Familie kennenlernen durfte!!!! 


Unser U-Haul ist gepackt


Nur noch schnell Abschied nehmen von der Cox-Familie. Hier mit Jarden und Ortal und auf geht’s nach Nevada :)