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Canada, Nova Scotia

Der erste Teil meiner Reise war eigentlich mal völlig anders geplant… Eigentlich wär ich von München mit dem Bus nach Amsterdam gefahren, hätte dort Yvette getroffen, wir wären zusammen zu “Gaypride” gegangen, hätten noch ein paar Tage in den Niederlanden verbracht, bevor wir dann am 11.08. zu ähnlichen Uhrzeiten aber mit unterschiedlichen Fluggesellschaften nach Halifax geflogen wären

Und da war ich nun also in Amsterdam. Ohne sie. Nach einer schlaflosen Nacht im Flixbus und mit ein paar schmerzhaften Erinnerungen an unseren letzten Urlaub in Amsterdam im Gepäck. Und ich fand es scheiße ohne sie dort zu sein. Ich konnte mir die Stadt und die Sehenswürdigkeiten echt nicht geben – jede noch so kleine Ecke der Stadt erinnerte mich an sie. So fuhr ich nachmittags erst mal ins Hostel, legte mich auf mein Stockbett und schlief sofort ein. Und als ich abends wieder aufwachte blieb ich lieber im Hostel und aß das “leckere” Essen dort, als nochmal in die Stadt reinzufahren. Am nächsten Morgen hätte ich dann fast meinen Flieger verpasst, weil die von der Hostel Rezeption mir falsche Angaben zur Entfernung zum Flughafen gegeben hatte. Als der Bus nach einer gefühlten Ewigkeit endlich am Flughafen ankam rief mir der nette Kolumbianer, den ich grad im Bus kennengelernt hatte, nur noch “Run Forrest!!! Ruuunnn” hinterher 😀 Und es half echt, denn ich war trotz des 15 Kilo Rucksacks hinten und des 6 Kilo Rucksacks vorne, echt schnell unterwegs und so war ich dann doch noch die letzte Person, die für den Flug einchecken durfte.

Einziges Foto aus Amsterdam 😉

Im Flieger fing ich dann so richtig an zu zweifeln, ob es die richtige Entscheidung war die Reise nach Nova Scotia anzutreten… Anfangs hatte ich es ja überhaupt nicht gewollt, aber umbuchen oder stornieren konnte ich den Flug nicht, zumindest nicht ohne mein Geld komplett zu verlieren und irgendwas tief in mir drin hatte mir gesagt, dass es diesmal nicht der richtige Weg wäre vor meinen schlechten Gefühlen davon zu laufen, sondern es besser wäre mich ihnen zu stellen… Und so hatte ich beschlossen die Reise alleine zu machen. Wenigstens wusste ich, dass ich ihr nicht über den Weg laufen würde, da sie ihren Flug umgebucht hatte und erst Ende August wieder von Europa heimfliegen würde…

Als ich dann mit kurzem Zwischenstopp in Frankfurt endlich in Halifax angekommen war lernte ich im Hostel Lisa kennen, die wie der Zufall so will, im selben Flugzeug wie ich, auf dem Sitz direkt hinter mir gesessen hatte. Weil wir uns gleich voll gut verstanden erkundeten wir am nächsten Tag zusammen Halifax und wir fanden die Stadt beide total grässlich. Da Lisa gar keinen Plan hatte was sie noch weiter in Halifax tun sollte, bot ich ihr an sie mit auf einen kleinen Roadtrip zu nehmen… Lisa war begeistert und so holten wir am nächsten Tag mein Auto vom Flughafen ab und da erwartete mich gleich mal ne Überraschung. Anstatt des gebuchten Kleinwagens bekam ich einen niegelnagelneuen Ford Taurus :) Was für ein Schiff. Ich brauchte erstmal Hilfe um meinen Sitz überhaupt verstellen zu können, weil ich in diesem Auto einfach alles elektronisch funktioniert und ich es null kapiert habe… Übrigens wehe du überfährst mit dem High-Tech-Auto die Mittellinie mehr als einmal weil du gerade Schlaglöchern ausweichen musst die so groß wie Basketbälle sind, dann will das Auto dass du eine Pause einlegst weil es denkt du kannst die Spur nicht mehr halten 😀 

Lisa und ich am Harbour von Halifax

Lisa und ich besuchten am ersten Tag die Örtchen Peggy’s Cove und Lunenburg, die direkt an der Küste im Süden von NS liegen. Die Orte sind beide total nett, erinnern total an das “echte” Schottland, aber leider waren sie auch super touristisch, überall nur Amerikaner. Am nächsten Morgen machten wir uns früh auf den Weg zur Bay of Fundy. Nachdem wir bestimmt eine Stunde gefahren waren kam jedoch eine Vollsperrung wegen eines Waldbrandes und wir mussten bestimmt 3/4 der Strecke wieder zurück und dann noch einen riesigen Umweg weiterfahren. Die Entfernungen in Kanada sind echt mal anders als bei uns… Tja und was soll ich euch jetzt über die Bay of Fundy erzählen? Ich hab sie leider nicht gesehen weil sie komplett im Nebel lag als wir da ankamen :( Wir haben uns dann trotzdem an den Strand gesetzt um unsere Brotzeit zu essen und plötzlich waren wir fast umhüllt von Nebel, ganz schön gruselig… Aber ich glaube bei schönem Wetter ist die Bucht der absolute Wahnsinn!!! 

Peggy’s Cove

Lunenburg bei Nacht 😉

Ein riesiger Stuhl am Straßenrand

Nachdem ich dann Lisa am nächsten Tag zurück nach Halifax gebracht hatte machte ich mich dann weiter nach Goshen um Cathy, eine von Yvette’s Freundinnen zu besuchen. Nach anfänglichen Problemen – das olle Navi hatte mich irgendwo in die Prärie geleitet – kam ich dann doch noch bei ihr an und wurde von ihrem riesigen Hund Hippie freudig und schwanzwedelnd im Garten empfangen, denn sie war gar nicht zuhause, ihre Haustür stand aber weit offen und Hippie ließ mich auch ohne Proteste einfach ins Haus hinein, um sich dann auf den Rücken zu rollen und von mir streicheln zu lassen. Was für ein Wachhund 😀 Es ist übrigens typisch in Kanada, dass wirklich niemand sein Haus oder sein Auto absperrt… Kurze Zeit später kreuzte Cathy dann doch auf und ihr Projekt mir gute Laune zu verpassen startete gleich mal erfolgreich :)

Hauptsächlich hat Cathy mit mir Sachen in der Umgebung unternommen, die aber trotzdem alle mit langen Autofahrten verbunden waren. Wir waren Eisessen, auf der Blueberryfarm, am Strand, im Kino, wir haben draußen geschlafen und den Vollmond bestaunt, wir haben mit Cathy’s besten Freunden auf den Einzug in deren neues Haus angestoßen, wir sind mit einem Freund von Yvette und Cathy, den ich schon im letzten Winter kennengelernt hatte, über den Fluss bis zum offenen Meer geschippert. Wir sind die schönste Küstenstraße Nordamerikas, den Carbot Trail, bis hoch zum Cape Breton gefahren, was wirklich atemberaubend schön war!!!!! Dabei haben wir auch eine Wanderung gemacht, auf der wir gleich mehrere Elche gesehen haben. Erst eine Mama mit ihren zwei Babies und später dann einen Bullen. Der kam mir als wir an ihm vorbei gelaufen sind so dermaßen nahe, dass es eigentlich echt gefährlich war… Ich hab mich einfach nicht bewegt und meine GoPro immer schön drauf gehalten 😀 Cathy meinte danach immer wieder “That was fucking National Geografic Shit” 😀 Es war so süß wie sich alle Kanadier für mich gefreut haben, dass ich das erlebt habe, denn viele sehen selber so gut wie nie einen Elch… Außerdem glauben ganz viele Leute in Kanada an die Totems. Wenn also ein Elch in dein Leben stolziert bringt er einem Mut und Kraft neue Wege im Einklang mit dem Herzen zu beschreiten. Man soll dem Elch auf seinem Pfad der Weisheit zu innerem Frieden folgen und sich von Sturheit, Rücksichtslosigkeit und Materialismus zurückhalten. Ich finde die Bedeutung ganz großartig und freu mich deshalb gleich noch mehr den Elch gesehen zu haben :)

Ein Tag am Strand 

Roadtrippin den Carbot Trail entlang

Aussicht auf den Carbot Trail

Das war sooo aufregend!!!!!

Was für ein riesiges beeindruckendes Tier

Unbeabsichtigter Partnerlook

Das wohl cooleste Boot das ich je gesehen hab 😀

Prost!!!! :)

Creighton trägt Hausschuhe auf seinem Boot 😀

Hot Stone Treatment 

Es meldete sich dann noch Michael, ein anderer Freund von Yvette bei mir, der auch gehört hatte, dass ich in NS war und so besuchte ich ihn auf seiner kleinen Farm. Die Kanadier sind echt so gastfreundlich, die freuen sich einfach immer über Gäste, auch wenn sie eigentlich grad genug andere Sachen zu tun hätten… Er zeigte mir dann erst mal seine Tiere und seine kleine, private Grasplantage, die wirklich unglaublich gut roch 😀 und wir fuhren dann in seinen eigenen Wald, wo ich mit seinem Gewehr ein paar Schießübungen auf einen alten Wohnwagen machen durfte. Hätte ich ja nie gedacht, dass ich mich sowas mal tatsächlich machen würde, nachdem ich ja so gar nix von Waffen halte… Aber ich war gar nicht so schlecht und hab die Dose, die er für mich aufgehängt hatte, sogar getroffen und das ohne Brille 😀
Alles in allem war meine Zeit in Nova Scotia schwierig und schön zugleich. Ich hab viel über Yvette geredet und gehört und hab mal wieder feststellen müssen, dass man wohl keinen Menschen vollkommen kennt, was echt enttäuschend sein kann, aber irgendwie hat es mir auch gezeigt, dass es wohl alles gut so war, wie es gekommen ist… Außerdem muss ich sagen es ging mir jeden Tag bei Cathy besser und besser und es war die absolut richtige Entscheidung den Flug anzutreten :) Bis zum Tag meiner Abreise hatten mir außer Cathy auch noch zwei weitere Personen angeboten bei ihnen zu wohnen, sollte ich nach dem Burning Man Festival nach NS zurückkommen wollen und ich muss sagen, ich lass es mir grad ernsthaft durch den Kopf gehen :) Mal sehen wo die Reise so hingeht…