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Cambodia

Kambodscha ist ein armes und chaotisches Land. Man merkt den Unterschied sofort, sobald man die Grenze von Thailand aus übertreten hat. Die Straßen sind nicht wirklich ausgebaut und werden holpriger und staubiger. Der Verkehr wird chaotischer, es gibt viel mehr Roller und TukTuks, dafür weniger Autos und es wird plötzlich ständig gehupt… In den größeren Orten kommt es öfter vor, dass man von Kindern angebettelt wird, was herzerweichend ist, aber man soll ihnen strickt nichts geben, da die Eltern sie sonst betteln schicken anstatt in die Schule… Auch beim Essen muss man viel mehr aufpassen, dass man sich keine Lebensmittelvergiftung zuzieht, da das Wasser oft verunreinigt ist bzw. die Kühlmöglichkeiten oft nicht so gegeben sind… 

Aber zugleich schmeckt der Staub im Mund auch sofort nach Abenteuer. 

Trotzdem sollte man etwas vorbereitet nach Kambodscha reisen, denn die Geschichte des Landes ist eine sehr traurige und man bekommt sie noch heute überall zu sehen und zu spüren…

Hier eine kleine Gedächtnisstütze für alle, die sich nicht mehr so ganz an den Geschichtsunterricht erinnern können: Die Gruppierung “Khmer Rouge” kam 1975 in Kambodscha an die Macht und wollte einen Agrarkommunismus einführen. Hierbei wurden sämtliche Einwohner aus der Hauptstadt Phonm Pehn vertrieben und in Arbeitslager auf dem Land verfrachtet. Wenn sie nicht schon unterwegs starben, mussten die Menschen dort dann unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und starben dann oft aufgrund der schlechten Zustände oder wurden ermordet. Außerdem schaffte die Khmer Rouge Geld komplett ab, Bücher wurden verbrannt, Schulen geschlossen, Klöster und Tempel zerstört und nahezu alle gebildeten Menschen des Landes umgebracht (hierfür reichte als Grund schon aus, dass man eine Fremdsprache sprach), da die Khmer Rouge erreichen wollte, dass alle Menschen “gleich” waren… Bis zur Befreiung durch die Vietnamesen 1978 wurden ca. 1,7 Millionen Menschen umgebracht. Einfach furchtbar :( Ein Besuch des Prison S21 oder der Killigfields gehört in Kambodscha somit echt zum Pflichtprogramm, ist aber wirklich nicht ohne. Marko und mich hat es letztes Jahr auf jeden Fall ziemlich mitgenommen…

Ich hatte schon bei meinem letzten Besuch in Kambodscha den Eindruck, dass sich das Land bis heute noch nicht so ganz von den schlimmen Taten der Khmer Rouge erholt hat. Die Wirtschaft, die hygienischen Zustände, die medizinische Versorgung und der Ausbau des Landes sind noch nicht so fortschrittlich, wie in den umliegenden Ländern in Südostasien, was nachvollziehbar ist, da es nach der Befreiung ja kaum noch entsprechend ausgebildete Personen gab, die beim Wiederaufbau der Wirtschaft, bei der Ausbildung der Kinder oder bei der Verbesserung der medizinischen Lage hätten mithelfen können…

Aber eben genau aus diesen Gründen ist Kambodscha ein Land, das sich irgendwie noch ursprünglich anfühlt. Es gibt noch Orte, an die sich kaum ein Tourist verirrt und es ist nicht alles so einfach und perfekt organisiert wie z.B. in Thailand, was die Reise einfach etwas spannender macht…

Als ich letztes Jahr mit Marko zusammen in Kambodscha war, hatten wir beschlossen, die Tempel in Siem Reap auszulassen, was wir hinterher dann etwas bereut hatten. Ich wollte seitdem immer mal wieder hin, um das nachzuholen. Außerdem war meine geplante Reise nach Vietnam die perfekte Möglichkeit, um das Land nochmal zu besuchen, da es von Thailand aus ja praktisch auf dem Weg liegt…

So buchte ich, als ich Bangkok angekommen war, gleich mal einen Bus nach Siem Reap. Der Grenzübertritt, der wieder zu Fuß bewältigt werden musste, verlief diesmal aber etwas einfacher-erstmal  weil ich die Tricks der Visa-Betrüger nach der letzten Erfahrung ja schon kannte, außerdem wurden wir diesmal auch von Busfahrern vorher gewarnt. Als ich dann nach einem ganzen Tag im Bus abends endlich in meinem Hostel in Siem Reap eincheckte, lernte ich Rosie, eine total nette Engländerin aus Liverpool kennen und sie bot mir an, mit ihr und ihren vier Freunden zu den Tempeln zu fahren und so teilten wir uns dann am nächsten Tag auf zwei TukTuks auf und sahen uns bestimmt fünf verschiedene Tempelanlagen an (irgendwann hab ich etwas den Überblick verloren). Es war echt ultra heiß und somit recht anstrengend die Tempel in Mitten von hunderten chinesischen Touristen, die einem einfach immer stumpf ins Foto laufen, zu besichtigen. Aber es hatte sich mehr als gelohnt nach Siem Reap zu kommen, denn die Tempel waren so beeindruckend in Größe, Details und Bauweise, echt Wahnsinn!!! Manche Menschen glauben sogar, es wäre Alientechnologie beim Erbau verwendet worden 😀 Und wenn man dann hört, dass die Bäume, die über einige Teile der Tempel gewachsen sind, älter sein sollen sollen, als die Tempel selbst, dann kommt man schon ins Grübeln… Es war auf jeden Fall ein sehr mystischer Ort, der für mich und meine Kamera der absolute Traum war :)









Selfiestick? Auch Mönche haben Facebookprofile 😛


Nach Siem Reap wollte ich aber mindestens noch einen anderen Ort in Kambodscha gesehen haben und deshalb beschloss ich nach Kratie zu fahren. Ich hatte gehört, dass das ein kleines Örtchen am Mekong wäre, in das sich wegen der unausgebauten Straßen und der unangenehmen Busfahrt nicht sehr viele Touristen verirren. Das klang schon mal super. Außerdem sollte es dort auch Flussdelphine im Mekong geben und Delphine fand ich ja sowieso schon immer toll :) Als ich dann in Kratie nach einer wirklich furchtbaren 8-stündigen Fahrt in einem schrottreifen Minivan ohne Aircondition ankam und dann noch im wahrscheinlich schlimmsten Hostel in Südostasien wohnte war meine Laune nicht allzu gut… Aber Kratie machte am nächsten Tag wirklich alle Strapazen wieder gut, denn dort erlebte ich das unverfälschte, kambodschanische Leben, völlig ohne Touristen… Und obwohl die Menschen dort wirklich kein Wort Englisch sprechen fand ich mich super zurecht und verliebte mich total in Land und Leute. Denn die Kambodschaner in Kratie waren total herzlich und interessiert an Fremden (ohne gleich Dollarzeichen in den Augen zu bekommen wie in einigen anderen Ländern). V.a die Kinder lachten immer aus voller Kehle wenn sie mich sahen, winkten wie wild und riefen “heeelllllloooooo” – einfach zu süß!!!! :)







Natürlich wollte ich dann auch noch die Flussdelphine sehen und landete witziger Weise mit drei anderen Deutschen in einem dieser Boote. Der Schiffer fuhr uns einfach nur auf den Mekong hinaus, stellte den Motor ab und dann warteten wir vielleicht gerade mal fünf Minuten und schon tauchten die ersten Delphine auf. Es waren mindestens vier, die im Wasser miteinander spielten. Sie waren jedoch recht schüchtern und ließen nicht viel mehr als ihre Flossen von sich sehen :)


Von Kratie fuhr ich direkt weiter nach Ho-Chi-Minh-City (oder auch Saigon) in Vietnam. Um zur Bushaltestelle zu gelangen wurde ich in der Früh von einem TukTuk abgeholt und mitten in die Prärie gefahren. Der Ort an dem der TukTuk Fahrer mich raus ließ glich mehr einem riesigen Container, als einer Busstation. Es gab Stühle und Tische und einen Fernseher, der wie immer in Südostasien so laut aufgedreht war, dass einem die Ohren dröhnten… Niemand sprach Englisch. Mir wurde ein Plastikstuhl gebracht und darauf gedeutet. Ich setze mich also hin, da mir klar war, dass ich hier jetzt sowieso für mindestens eine Stunde warten würde, die Busse kommen nämlich nie pünktlich. Kurz darauf setzte sich ein etwa 15-jähriges Mädchen neben mich. Sie arbeitete mit ihrer Familie an einem Stand neben der Straße, der Sticky-Reis im Bambusrohr und anderes Essen verkaufte. Sie saß einfach nur da und lächelte mich unentwegt an. Ich lächelte zurück und dann kicherte sie immer ganz verlegen. Ich versuchte mit ihr zu reden, aber sie verstand kein Wort von dem was ich sagte. So starrte und lächelte sie mich also weiterhin an. Da ich nicht wirklich mit ihr kommunizieren konnte, wollte ich ihr was geben und so holte ich einen meiner Kristalle aus meinem Rucksack und gab ihn ihr und es war echt sooo nett, wie sehr sie sich freute. Sie begutachtete den Kristall von allen Seiten, drehte und wendete ihn zwischen ihren Fingern als wär er ein Schatz und roch sogar daran 😀 Dann lief sie zu ihrer älteren Schwester und zeigte ihn ihr ganz stolz. Die Schwester war total neidisch, dass sie sowas bekommen hatte und plötzlich drehten sie sich beide gleichzeitig zu mir um und sahen mich an und da ich ja nun mal weiß wie es unter Schwestern so ist, holte ich noch einen weiteren Kristall aus meiner Tasche und gab ihn der älteren Schwester. Die beiden waren so glücklich als wäre Weihnachten… Es war wirklich eine ganz besondere Erfahrung für mich, zwei Jugendliche mit sowas “einfachem” so glücklich machen zu können, dass ich noch die ganze Busfahrt über immer wieder an die beiden denken und dabei lächeln musste…

Ich war diesmal zwar nur für ein paar Tage in Kambodscha, da ich ja auf der Durchreise nach Vietnam war, aber ich muss sagen, dass Kambodscha bislang definitiv zu meinenLieblingsländern gehört. Es ist anders und abenteuerlich und das macht es für mich so besonders… Und auch wenn die Verständigung manchmal schwierig ist, weil viele Einheimische kein Englisch sprechen, weil sie gar keine oder keine gute Schulbildung erhalten haben, sind sie so nett und hilfsbereit, dass ich mich trotzdem immer total wohl gefühlt habe… 

Ich kann nur jedem von Euch empfehlen, dieses verrückte und interessante Land einmal zu besuchen!!! Ihr werdet die Menschen, Tempel und Landschaften bestimmt genauso sehr lieben wie ich :)