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Hawaii

Nachdem Eitan und ich uns um 6 Uhr morgens an der Trainstation in Emeryville verabschiedet hatten und ich wenige Minuten später im Zug zum Flughafen saß konnte ich es irgendwie noch nicht so ganz begreifen, dass wir uns auf unbestimmte Zeit verabschiedet hatten bzw. dass tatsächlich nicht klar war, ob wir uns überhaupt jemals wiedersehen würden. Meine Vorfreude auf Hawaii und das Alleinereisen war gleich null…

Als ich dann gute 6 Stunden später in Honolulu, auf der Insel Oahu, angekommen war, wurde ich überall mit einem freundlichen “Aloha” begrüßt. Auch das Wetter war warm und sonnig und schon wurde meine Laune etwas besser :)

Ich hatte mir ein Hostel in Waikiki Beach gebucht, was sich aber ein wenig als Fehler herausstellte, denn der Ort war echt ultra touristisch und hässlich. Überall riesige Hotelbunker, jede Menge Souvenirläden, amerikanische Fastfoodketten und Klamottenlabels. Auch am Strand lagen die Touristen wie die Sardinen nebeneinander. Als ich dann noch in einem vietnamesischen Restaurant für ein Gericht, ohne Getränk, 20 Dollar zahlen musste, war der Alptraum für mich perfekt – ich war in der Touristenhölle gelandet!!!!! 😀 Deshalb sah ich zu, dass ich so schnell wie möglich weiterkam.

Ich hatte gehört, dass die Northshore total schön sein sollte und es dort ein kleines gechilltes Surferörtchen gäbe, in dem man ruhig mal ne Weile abhängen könne. Als ich versuchte herauszufinden wie ich dort hinkommen würde, gab es mehrere Optionen – die Bustour inkl. mehrerer Stops bei diversen anderen touristischen Attraktionen für 90$, ein privater Transport für 50$ oder der öffentliche Nahverkehr (der ganz leise erwähnt wurde) für 2,50 $…. Hmmm da fiel mir die Entscheidung nicht wirklich schwer 😉

Ich saß also am nächsten Tag ganze 4 Stunden in diesem Bus, der bestimmt an 100 Haltestellen hielt. Aber als ich total durchgeschüttelt und mit steifen Rücken aus dem Bus stieg hatte sich die Reise mehr als gelohnt denn das Meer und die Strände an der Northshore waren einfach wunderschön… und die riesigen Wellen sahen echt beeindruckend aus…

Als ich in meinem wunderschönen Hostel direkt am Strand eingecheckt war lernte ich Melanie aus Australien kennen und kurz darauf dann Georg aus den Niederlanden. Ich verstand mich mit beiden total gut, obwohl sie deutlich jünger waren als ich… Wir hingen also die nächsten Tage miteinander am Strand ab, sahen uns den Surf Contest an und kochten abends zusammen, um Geld zu sparen… 



Es war wirklich schön mal wieder das relaxte Leben in einem Surferort mitzuerleben, wo sich jeder zu kennen scheint und jung und alt vor und nach der Arbeit zum Surfen geht… 

Leider waren die Preise an der Northshore aber nicht besser. Wir konnten uns wirklich keinerlei Aktivitäten leisten. Einfach alles war völlig überteuert. Auch den geplanten Surfkurs konnte ich leider vergessen, ganz abgesehen davon, dass die Wellen angsteinflössend gross waren und teilweise sogar das schwimmen von den Lifeguards untersagt wurde…

Ich begann deshalb sofort mich nach einem Wwoofing Job umzusehen, das hatte ich ja sowieso vorgehabt. Ich fand viele tolle Angebote und schrieb so viele Hosts an wie möglich. Doch erst einmal hörte ich tagelang von keinem etwas und wenn mir doch mal jemand zurück schrieb wurde mir mitgeteilt, sie würden mich nur nehmen wenn ich min. 3 Monate dort arbeiten könnte (mit dem Touristenvisum also unmöglich), wenn ich für mein Essen selbst sorge oder ihnen einen Tagessatz für die Unterkunft bezahle. Das fand ich dann doch eine ziemlich Abzocke, schließlich geht es beim Wwoofing ja genau darum, für meine Arbeit kostenloses Essen und einen Schlafplatz zu bekommen… Anscheinend ist Wwoofing in Hawaii echt so begehrt, sodass die Hosts fordern können was sie wollen…

Ich fing also an mir ziemlich Sorgen darüber zu machen wie lange mein Geld noch reichen würde und ob es eine gute Entscheidung gewesen war nach Hawaii zu kommen… Ich musste recht kurzfristig eine Entscheidung treffen und als ich zufällig einen sehr billigen Flug von Honolulu nach Bangkok fand, überlegte ich nicht lange, sondern buchte ihn kurzerhand…

Nachdem das also entschieden war wollte ich meine restliche Zeit in Hawaii aber noch genießen und so beschloss ich, Georg auf eine der anderen Inseln zu begleiten – Kauai. Das ist die grünste der acht Inseln, wo auch die Filme Avatar und Jurassic Park gedreht wurden. Als sich unser Flugzeug früh morgens im Landeanflug auf Kauai befand, und die Sonne hinter der Insel aufging, hatte ich mich schon verliebt. Die Insel sah so bergig und grün aus, dass es fast surreal wirkte… Und ich freute mich schon total drauf durch den Dschungel zu wandern!!!!!

Als wir dann vom Flughafen zu unserem Hostel trampen wollten, machten wir gleich mal Bekanntschaft mit der Freundlichkeit auf Kauai, denn wir wurden doch tatsächlich von einem Taxifahrer mitgenommen. Wir waren beide völlig baff… Und auch sonst war Kauai einfach toll. Es waren weitaus weniger Touristen dort als auf Oahu und dadurch war die Stimmung  viel relaxter… Die Menschen waren einfach unglaublich nett und von fast überall sah man die riesigen grünen Berge hinter den langen weißen Stränden aufblitzen. Einfach nur beeindruckend schön!!!

Einen Tag nach unserer Ankunft beschlossen George und ich zu einem Wasserfall zu wandern. Um dorthin zu gelangen wollten wir wieder hitchhiken. Die ersten beiden Fahrer waren total nett, aber der dritte war echt der klassische amerikanische Hinterwäldler, als wär er gerade einem Horrorfilm entsprungen. Der Typ war fett und fuhr den größten Pickup Truck, den ich jemals gesehen habe. Als wir in sein Auto gestiegen waren, George vorne, ich hinten, schenkte sich der Typ erstmal einen großen Becher Whiskey ein und bot uns auch einen an… Zum Glück war dies anscheinend sein erster Drink und er konnte noch fahren. Er fuhr auch recht langsam, aber immer genau in der Mitte der Straße, sodass der gesamte Gegenverkehr rechts ranfahren musste, um ihn vorbei zu lassen. Was für eine Katastrophe. Ich wollte nur raus aus dem Auto aber George schien sich zu amüsieren… Dann fing der Typ an uns Hororgeschichten über Personen zu erzählen, die auf diese Wanderung gegangen und nie davon zurück gekehrt wären. Ich hatte so dermaßen Schiss vor dem Typen, dass ich nur aus dem Fenster starrte und vorgab kein Englisch zu sprechen, wenn er mich direkt ansprach 😀 Außerdem war ich die ganze Zeit in Bereitschaft, um im Ernstfall aus dem Auto springen zu können… Nach einer gefühlten Ewigkeit lieferte uns der Psycho dann doch noch am Anfang des Tracks ab und wir begannen endlich unsere Wanderung. 

Die war wunderschön, aber auch schon am Anfang eine echte Herausforderung. Der Boden des Pfads war nass und matschig und die Wurzeln und Steine waren super rutschig. George und ich hatten beide unsere Wanderschuhe an und dennoch rutschten wir ständig aus… Ich war echt ein wenig gestresst. Als wir endlich beim Wasserfall angekommen waren war ich zweimal beim überqueren in einen Bach gefallen und meine Füße schwammen in den Wanderschuhen geradezu hin und her. Der Wasserfall war die Tortur aber echt wert gewesen, denn er war echt soooo schön!!!! Wir gingen eine Runde schwimmen in dem eisig kalten Wasser und machten uns dann auf den Rückweg… Gerade der erste Teil des Rückwegs war super anstrengend weil er so eng und direkt am Abhang entlang verlief. Ich war super konzentriert, um ja nicht wieder auszurutschen. Plötzlich passierte es, George rutsche vor mir aus und fiel in Richtung Abhang. Er griff noch nach einer Wurzel, doch die riss ab und er stürzte ca 9 Meter den Abhang hinunter!!!!! Ich war so geschockt, dass ich wie versteinert den Abhang hinternunter starrte, wo er regungslos neben dem Bach lag. Ich war sicher, dass er war tot war. Plötzlich fingen Leute hinter mir an zu schreien und so wachte ich auch aus meiner Trance auf und schrie seinen Namen. Er bewegte sich und stand auf, aber da er sich so komisch benahm war ich mir sicher, dass er sich den Kopf gestoßen hatte oder sowas… Ein Mann versuchte zu ihm hinunter zuklettern aber es war unmöglich da der Abhang viel zu steil und voller Wurzeln war. George rief uns zu, dass er in Ordnung wäre und jetzt einfach den Bach entlang gehen würde bis er wieder auf den offiziellen Weg treffen würde… Gott sei Dank!!!! Als wir kurz darauf wieder aufeinander trafen und ich ihn durchcheckte fehlte ihm absolut gar nichts. Er hatte nicht mal einen Kratzer. Als die anderen Leute ihm immer wieder sagten wie viel Glück er gehabt hätte, fing er an Witze zu reißen, der Stunt wäre beabsichtigt gewesen. So ein Idiot!!!! Ich zitterte bestimmt noch für 15 Minuten, so fertig war ich…

Wunderschöne Aussichten während des Tracks…

Bamboo-Forest…


Der Wasserfall, der leider schwer auf’s Foto zu bekommen war…

Am Ende des heftigen Tages haben wir wenigstens noch einen schönen Sonnenuntergang zu sehen bekommen bevor wir zurück zum Hostel trampten…

Im Hostel lernten wir dann am nächsten Tag Stefan kennen, einen netten Ungarn, der in Deutschland lebt. Stefan hatte einen Jeep gemietet und bot uns an uns mit auf Erkundungstour zunehmen… Und so bekamen wir auch noch ganz andere Ecken der Insel zu sehen. Am meisten beeindruckte mich der Canyon!!!! Einfach nur wunderschön und eine total gegensätzliche Landschaft zum Dschungel…  




Vor dem Canyon mit George und Stefan 


Wieder ein Wasserfall zum Baden – juhu :)

Als Stefan mir dann erzählte, dass er einen Helikopterflug über die Insel machen wollte beschloss ich, ihn zu begleiten. Das wollte ich ja schon seit Neuseeland immer mal machen und hatte es mir nie leisten wollen. Über Kauai stellte ich es mir so richtig schön vor, außerdem hatte ich mir ja auch sonst nix besonderes auf Hawaii geleistet… Und ich muss sagen der Helikopterflug war jeden Cent wert. Es war nicht nur generell aufregend wegen dem Gefühl in einem Helikopter zu sitzen, die Landschaft von da oben war einfach noch viel schöner als sowieso schon!!! :)







War ja klar, wer die Hand wieder verkehrt rum hält 😀

Ich flog dann noch am selben Tag zurück nach Oahu. Erstmal weil ich ja bald nach Bangkok weiterfliegen würde, aber hauptsächlich, weil Rob, ein Freund aus Kanada, gerade mit seiner Familie dort Urlaub machte und er mich eingeladen hatte mit ihnen in ihrem Airbnb zu wohnen. Als ich mich zuerst skeptisch zu seinem Angebot geäußert hatte, weil ich Ihnen nicht zur Last fallen wollte, meinte er ich könne das ja eines Tages einem anderen Backpacker zurück geben :) Super lieb!!! Und so wurde ich die restlichen zwei Tage auf Hawaii von der wunderbaren Kaufman-Familie total mit Essen verwöhnt, was einfach eine Wohltat nach zwei Wochen “Nudeln mit Tomatensauce” war… Und ihr Airbnb, mit kleinem privatem Strand, an dem nur die umliegenden Nachbarn zum schwimmen vorbei kamen, war ein echter Traum :)

Mit der tollen Kaufman Family :)

Und es kamen noch ein paar andere Besucher zum Sonnenbaden vorbei… Nämlich diese riesigen Schildkröten :)


Rob’s Familie war mir in nur zwei Tagen so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich am Flughafen nur kurz und knapp verabschiedete und schnell umdrehte um zu meinem Gate zu laufen… Dieses ständige Abschiednehmen liegt mir echt gar nicht…

Alles in allem ist es für mich in Hawaii nicht besonders gut gelaufen und ich würde Backpackern auch nicht wirklich empfehlen, ohne vorab einen Volunteerjob klargemacht zu haben, dort hinzureisen. Aber ich bereue es nicht dort gewesen zu sein. Ich hab tolle Menschen kennengelernt und die Landschaft auf Kauai hat mich echt umgehauen. Und leider gehören nun mal kleinere Rückschläge genauso zum Reisen dazu, wie eben im “richtigen Leben” auch :)

Aber nun: Auf nach Südostasien!!!!!! Streetfood ich komme :)